Sparquote ohne Vermögensbildung

Kaum jemand (außer den Japanern) spart in der OECD-Welt so viel wie die Deutschen, aber kaum jemand bildet damit so wenig Vermögen. Bereits eine EZB-Studie kam zu dem Ergebnis, dass die angeblich so reichen Deutschen im europäischen Vergleich wenig Vermögen hätten. Das hatte in einer Zeit, da viele Politiker einer Transferunion das Wort reden, wo deutsche Steuergelder in europäische Beinahe-Pleite-Staaten umverteilt werden sollen, eine gewisse Brisanz.

Kaum verwunderlich, dass die Ergebnisse der Studie angezweifelt wurden. Wie dem auch sei, eine neue Studie der Banca d’Italia (*) stützt das Ergebnis der EZB-Studie. Wie bereits hier beschrieben, spielt das eher geringe Immobilienvermögen dabei eine gewichtige Rolle. Doch allein damit lässt sich die geringe Vermögensbildung auch nicht erklären. Ein weiterer Grund ist das Sicherheitsstreben der Deutschen. Der Vergleich ihres Anlageverhaltens mit anderen Ländern verdeutlicht die große Risikoaversion und damit gleichzeitig die Renditeverweigerung. Kurz: die Deutschen sparen zwar viel, aber falsch im Hinblick auf Vermögenswachstum.

So liegen mehr als 40 Prozent des Finanzvermögens als sog. Sicht- und Sparvermögen auf Bankkonten. Das sind fast 5 Billionen Euro. Ihr nominaler Wert schwankt zwar kaum oder gar nicht, jedoch sind die Zinsen derart gering, dass sie nach Abzug der Inflation ein Verlustgeschäft darstellen. Bezeichnend niedrig ist dagegen der Aktienanteil: nur 17 Prozent, davon die Hälfte in Fonds. Nur 11 Prozent der Deutschen haben überhaupt ein Aktiendepot. Das bedeutet umgekehrt – so Philip Plickert in der FAZ (**) – dass 89 Prozent von der jüngsten Aktienhausse nicht profitiert haben.

Ob wir nun die Schwankungen an den Börsen mögen oder nicht, fest steht, eine Vermögensbildung ohne Aktienquote ist zumindest unter den aktuellen Bedingungen einer Niedrigzinspolitik kaum möglich. Wer dazu ein Buch eines sehr erfahrenen Vermögensverwalters lesen möchte, dem empfehle ich Gottfried Hellers: Der einfach Weg zum Wohlstand (***). Man kann sein Resümee nach über 40 Jahren Erfahrung mit Geldanlagen (Gründer der FIDUKA u.a. in Zusammenarbeit mit Börsenlegende André Kostolany) als Plädoyer für die Unumgänglichkeit der Investition in  Aktien lesen. Es bietet einen historischen Rückblick, politische Einschätzung und konkrete Vorschläge zur Portfoliodiversifizierung, die sowohl Privatanleger als auch Finanzberater beherzigen sollten.

Guido Kirner

(*) Household aggregate walth in the main OECD countries from 1980 to 2011: What do the data tell as?, Banca d’Italia Occasional Papers, April 2013.

(**) Philip Plickert: FAZ 3. Juni 2013 Nr. 125, S. 18: Das Sparkonto macht uns arm.

(***) Gottfried Heller: Der einfache Weg zum Wohlstand. München FBV.

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