Die Euroschuldfrage

Es ist so weit. Die Ausstiegsfrage Griechenlands aus dem Euro ist eigentlich schon beantwortet, jedoch will keiner Schuld sein. Es geht nicht mehr so sehr um gute Gründe und Ängste, es geht mehr um die Geschichtsschreibung. Regierungsverantwortlichen dämmert es allmählich, dass dieses Griechenland in einem soliden Währungsverbund nichts zu suchen hat, jedoch möchte keiner – inbesondere Deutschland – der Buhmann sein, wenn das Szenario unvermeidlich wird.

Deshalb wird es nun viel Reisediplomatie geben, um Monate bzw. Jahre des Aufschubs für Reformen wird gefeilscht, Verbündete werden gesucht, man wird sich wahrscheinlich noch in engem Rahmen großzügig geben, um nicht als hartherzig zu gelten und Deutschland sucht mindestens Frankreich als Partner, um die „rote Linie“ gegenüber Hellas aufrecht zu erhalten, um später nicht alleine an den Pranger gestellt zu werden, es habe den Zerfall der Währungsunion zu verantworten.

Frankreich selbst hat Probleme und erlebt (wie einst nach dem Wahlsieg Mitterands) wie sozialistische Blütenträume an der harten Realität fehlender Wettbewerbsfähigkeit und mangelnder Strukturreformen zerschellen. Es muss seine Wirtschaft auf Vordermann bringen, jedoch geht das nun einmal nicht mit dem Programm, mit welchem man gewählt wurde. Was macht man da nun?

Also wie werden Historiker die Geschichte des Euros in der Zukunft darstellen? Als Erfolgsgeschichte wohl kaum. Nicht, dass es nicht hätte klappen können, jedoch haben eben die Staaten nicht die Disziplin aufgebracht, eine einheitlich vernünftige WIrtschafts- und Finanzpolitik zu betreiben, also wurde nichts daraus. Der Euro spaltet Europa statt es unverbrüchlich zusammenzuschmieden. Die Geschichte – so sagt man – werde von den Siegern geschrieben; das Problem ist, wenn es keine gibt, sondern nur Verlierer.

Dr. Guido Kirner (Polling/Weilheim)

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2 thoughts on “Die Euroschuldfrage”

  1. Die Situation ist wirklich dramatisch und ich bin echt neugierig, ob Griechenland letztendlich aus dem Euro ausgeschlossen wird. Interessant ist auch die Frage, ob dieser Ausschluss hilft, die Schuldenkrise in Europa zu lösen. Oder wird es nur einen Dominoeffekt auslösen?

    1. Das weiß eben keiner, auch nicht die sog. Experten. Es handelt sich um ein historisches Experiment. Die einen könnten den Austritt als Konsolidierung im verstehen, was der Reputation des Euro zu Gute kommen könnte; für andere könnte sich dann schnell die Frage nach den nächsten Ländern stellen (Portigal, Spanien, Italien, Irland), wobei es jedoch zwischen diesen erhebliche Unterschiede gibt. Im Unterschied ze Griechenland existiert hier wenigstens eine wirtschaftliche bzw. industrielle Basis.
      Letztlich stellt sich die Frage, wieviel darf Zeit noch kosten. Man hat schon zwei Jahre vergeudet mit Maßnahmen, die den potentiellen Dominoeffekt nur vergörßert haben. Ein Staatsbankrott scheint unvermeintlich, es geht eben nur noch darum, wie er zu welchen Kosten abgewickelt wird. Fewrner darf bewzeifelt werden, ob Griechenland überhaupt reformfähig ist, weil es letztlich gar keine vernünftige politische Basis mit entsprechender Gesinnung hierfür gibt. Das scheint mir fast das schlimmere Problem.

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