PKV Spam

Täglich erreichen mich bis zu drei Spam-Mails dubioser Quellen mit vermeintlich großartigen Angeboten zu Privaten Krankenversicherern. Manchmal enthalten Sie nur einen Link zu angeblich genial günstigen Tarifen, zu Vergleichsrechnern, kurz: zu irgendeinem Dreck, der mich einen feuchten Kehricht interessiert und nervt.

Im Internet wird man bombardiert mit Werbung für PKVs für 59 Euro. Dahinter steckt wohl ein auf PKV spezialisierter Strukturvertrieb, der so an Adressen kommen möchte. Angenommen wir bekommen das Angebot für einen neuen Audi A 4 oder eine Mercedes S Klasse für 10.000 Euro – wie gehen wir damit um? Entweder der Verkäufer ist ein absoluter Vollidiot oder es ist etwas faul! Wir brauchen nicht davon ausgehen, dass am anderen Ende der Versicherungswirtschaft ein Vollidiot sitzt – also ist etwas faul. Beim Auto lässt sich das irgendwann leicht feststellen: Wenn es keine Hehlerware ist, gibt das Schnäppchen wahrscheinlich recht bald seine Fahrtüchtigkeit auf. Der billige Kauf wird teuer.

Bei einer billigen privaten Krankenversicherung bekommt man so lange keine Probleme, bis man sie braucht. Dann hat man auch zu viel bezahlt, weil wahrscheinlich genau die Leistungen, die wir benötigen, gerade nicht abgedeckt sind; oder der Beitrag explodiert, weil ein skrupelloser Vorstand erst einmal Kunden zu jedem Preis mit einer Lockprämie gewinnen wollte und wenn er dann glaubt genug beisammen zu haben, die Preise stetig anhebt. Das schlimme daran ist: die Kunden kommen gar nicht so einfach aus diesen Verträgen heraus. Haben sie inzwischen bestimmte Krankheiten, nimmt sie auch die Konkurrenz nicht mehr. Un der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse (GKV) ist – wenn überhaupt – nur über Umwege möglich.

Immernoch wird zur Jagt auf Selbständige geblasen, die am besten beratungs- und ahnunglos mit dem Argument der Kostenersparnis in die Private Krankenversicherung gelockt werden sollen. Das alles ist nervig, unseriös und gelinde gesagt MÜLL, SPAM. Die Branche sollte sich auf das besinnen, um was es bei der PKV geht: bessere Leistungen für anspruchsvolle Kunden, die mit der Gesetzlichen Krankenkasse nicht zufrieden sind. Alles andere führt in die Irre mit fatalen Folgen für Ruf und Kunden.

Die Folgen des schlechten und falschen Geschäftsgebahren sind offentlichtlich: Beitragsrückstände in Milliardenhöhe – die Kunden zahlen einfach nicht mehr (übrigens auch in der GKV). All die kleinen Selbständigen, die man unter falschen Voraussetzungen in Ramschtarife gelockt hat und da nicht mehr rauskommen, die womöglich mangels Wechselmöglichkeit bei einem schlechten Versicherer in einem sog. “geschlossenen Tarif” gefangen sind, bei dem die Kosten explodieren, all das rächt sich. Das Geschäft der Privaten Krankenversicherungen nicht nachhaltig zu betreiben, ist genau so wirtschaftlich, wie das schnelle Abholzen eines Waldes: man kann damit schnelles Geld machen, aber keinen nachhaltigen Ertrag. Gesundheitsökonomie sollte nicht dem schnellen Euro folgen. Es ist schädlich für das gesamte System.

Man merke sich deshalb folgendes:

– Wer eine PKV abschließt, NUR um Beiträge zu sparen ist schon auf dem Holzweg!

– Wer bei der Auswahl des richtigen Versicherers nicht auf die Nachhaltigkeit und Beitragsstabilität des Unternehmens achtet, darf davon ausgehen, dass billig am Anfang gegen Ende sehr teuer wird.

– Wer sich eine PKV im Alter nicht leisten können wird, sollte sie auch in jungen Jahren nicht abschließen.

Ich habe so einige Unternehmen auf dem Kieker, möchte mir aber keinen juristischen Ärger hier einhandeln. Eine Vielzahl von Menschen wurden skrupellos aus sehr guten (aber eben nicht günstigen) Versicherungen herausgelockt und in neue schlechte, aber vermeintlich günstige Tarife “umgedeckt”. Viele haben dabei Altersrückstellungen von zig Tausend Euro verloren – ohne davon überhaupt eine Ahnung zu haben. Es wurde schlecht, gierig und unseriös beraten.

Wie sie einen Vermittler finden, um diese Fehler zu vermeiden? Nach doch inzwischen mehr als einem halben Jahrzehnt in der Branche bedauere ich es manchmal rein finanziell, nicht mehr PKVs verkauft zu haben. Schließlich bin ich aber auch doch froh, das Gefühl zu haben (wissen kann man es nie, so lange man kein Vorstand einer Privaten Krankenkasse ist), dass ich Qualität vermittelt habe.

Dr. Guido Kirner, Private Finanzplanung und Versicherungmakler, Polling / Weilheim i. OB

 

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