Erbärmliche Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften

Reaktionen von Ökonomie-Nobelpreisträgern zur Finanzkrise wirken wie eine Karikatur des Ärzteteams bei Asterix und Obelix: im besten Fall ratlos bis widersprüchlich, im schlimmsten Fall wird der Tod des Patienten zu Gunsten der therapeutischen Wahrheit in Kauf genommen. Zu erleben war das ganze bei der Versammlung der „Titanen der Wirtschaftswissenschaft“ in Lindau, worüber das Handelsblatt berichtete (Nr. 166: S. 18 / 29.08.2011).

Peter Diamond, der beinahe in die oberste Führungsetage der US-Notenbank aufgestiegen wäre, beschrieb die Finanzkrise mit der Banalität „es gäbe große Risiken“. Konkreter könne er nicht werden, weil er keine Zeit habe, täglich Konjunkturdaten auszuwerten. Alles was er wüsste sei: „Es sollte etwas unternommen werden.“ Hätte er doch nur einfach geschwiegen. Andere haben wenigstens noch Ansprüche: Edmund Phelps fordert höhere Steuern in den USA, Robert Mundell fordert niedrigere. Josef Stiglitz warnt vor einer neuen Runde „quantitativer Lockerung“ in den USA, Roger Myerson möchte, dass es damit weitergeht. Einige Koryphäen warnten vor den Risiken einer tiefen Rezession, andere erscheint die Lage der Weltwirtschaft recht gut. Mangelnde Transparenz, falsche Anreize für Banker, Funktionsprobleme der Märkte, Interessenkonflikte bei Wirtschaftsprüfer… bla, bla, bla.

Da ist der Kommentar vom Chefvolkwirt der Bank für Internationen Zahlungsausgleich – William White – ja geradezu rührend: „Für Krisen dieser Art war kein Platz in den Gedankenspielen“. Josef Stiglitz, einer der renommiertesten Volkswirtschaftler unserer Zeit, brachte die Sache wohl auf den Punkt: die Finanzkrise sei ein Versagen der Wirtschaftswissenschaft und falsche Modelle hätten zu falschen Politikentscheidungen geführt.“ Hoffentlich überschätzt er den Einfluss der Wirtschaftswissenschaften, denn er selbst lässt sich nicht davon abhalten, seinen Unsinn zu verbreiten (vgl. z.B. das Interview in der gleichen Zeitung S. 6).

Dr. Guido Kirner, Weilheim i.OB

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