1.000.000.000.000 Euro

Der fiskalpolitische Irrsinn braucht absurd hohe Zahlen, damit die bürgerliche Vorstellungkraft versagt. Das Rettungspaket II ist verabschieded und damit ein weiterer Kredit, nunmehr in Höhe von 120 Milliarden Euro. Kreditpaket I über 110 Millarden Euro verpuffte bereits wirkungslos. Der Krisenfonds über 780 Milliarden (auch für Portugal und Irland) verzeichnete ebenfalls keine Wirkung. Das macht zusammen über eine Billion Euro. Wo führt das hin?

Kanzlerin Merkel und Finanzminsiter Schäuble werden von schlechten Beratern (Finanzlobbysiten) und Politikerkollegen anderer Länder am Nasenring durch die Finanzarena geführt und verbrennen das Geld ihrer Steuerzahler. Das Argument, der klare Schuldenschnitt sei das schlimmere Übel, weil damit eine vermneintliche Kettenreaktion an den Finanzmärkten ausgelöst würde, wird um so unglaubwürdiger, je teurer die mit vielen falschen Argumenten gerechtfertigten Maßnahmen werden.

Euro und Europa werden in der politischen Rhetorik fälschlicherweise gleichgesetzt. Das eine rettet das andere. Geht dann auch beides zusammen unter? Zumindest zwei Argumente stimmen nach neuesten Zahlen des statistischen Bundesamtes nicht mehr: Deutschland gehört seit Einführung des Euro nicht zu den Ländern, das am meisten davon profitiert hätten. Gemessen an durchschnittlichen Wachstumsraten sind ausgerechnet Griechenland und Irland mit 2,7 % bzw. 3,9 % die Gewinner, während Deutschland mit 1,2 % eher zurückbleibt. Und europäische Länder die am Euro gar nicht teilgenommen haben, stehen deshalb gewiss nicht schlechter da. Auch der Anteil des Exportes in hat sich verkleinert und ist um 5% auf 41 % gesunken.

Wenn es heisst, Deutschland profitiere am meisten vom Euro und Europa, so verstehe ich die Exportargument eh nicht. Es wird doch nicht deshalb exportiert, weil es sich um Spenden oder Geschenke handelt oder weil uns andere Länder damit einen Gefallen tun wollen. Exportiert wird doch, weil Kunden an Produkten aus Deutschland interessiert sind, die ihnen irgendweinen Nutzen oder Vorteil versprechen, d.h. es profitieren mit jeder exprotierten Ware auch die Importeure!

In diesen Argumentationen kommt ein Wirtschaftsverständnis zum vorschein, das den Eindruck zurücklässt, egal wer inzwischen bei den Politikern den Mund über Finanz- oder Wirtschaftsfragen den Mund aufmacht, es handelt sich dabei nur noch um vorgefertigte Hohlphrasen.

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Dr. Guido Kirner, Finanzberater & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

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Guido Kirner

Dr. Guido Kirner arbeitet seit über 10 Jahren als selbständiger und unabhäniger Finanzmakler mit sämtlichen IHK-Qualifikationen für kirnerfinanz. Er lebt und arbeitet in Polling bei Weilheim im oberbayerischen Pfaffenwinkel, ist promovierter Historiker und Sozialwissenschaftler (Heidelberg, Paris, Berlin) mit BWL Zusatzstudium (Fernuni Hagen). Während und nach seinem Studium arbeitete er u.a. als Mitarbeiter im Bundestag, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), als Dozent und Wissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität und als Redakteur bei der Gazette. Er betätigt sich als Finanzblogger, schreibt Artikel für Fachorgane (z.B. dasinvestment.com) und Zeitungen, bespricht regelmäßig Fachbücher zum Thema Wirtschaft und Finanzen. Er machte sein Abitur am Abitur Kolleg St. Blasien / Schw., wuchs in der Pfalz auf und wurde 1967 in Mannheim geboren.

One thought on “1.000.000.000.000 Euro”

  1. Klar profitieren die Importeure, allerdings bin ich mir relativ sicher, dass sie mehr profitieren würden wenn sie es selbst produzieren könnten. Es ist ja bei weitem nicht immer möglich zwischen Importprodukt und Eigenprodukt zu entscheiden.

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