Der Todesfall ist kein “theoretisches Risiko”

Wenn ich mich als Versicherungsmakler bei Kunden verpflichtet fühle, die wichtigsten existentiellen Risiken anzusprechen, dann stellt sich bei Familien stets auch die unangenehme Frage: Was passiert, wenn ihr Mann bzw. Ihre Frau einmal nicht mehr nach Hause kommt? Wie würde es ihrer Familie ergehen, wenn das Haupteinkommen durch einen Todesfall wegfiele? Wie hoch sind ihre Ansprüche aus der Witwenrente der gesetzlichen Rentenversicherung?

Insbesondere bei Männern ruft diese Frage nicht selten ironisch bis zynische Reaktionen hervor. Da kommen dann Witzchen mit dem Verweis auf den „Mann danach“ oder das Risiko des Todesfalls wird als „rein theoretisch“ abgetan. Der Gedanke, was nach dem eigenen Tod mit der Familie passiert, ist unangenehm, wird verdrängt oder bewitzelt.

Im Gegensatz dazu erhielt ich kürzlich eine Mail von einem Kunden, bei dem ich dieses Thema angesprochen hatte. Er teilte mir darin u.a. folgendes mit:

„C…. [seine Frau] traf auf dem Weg zum Kindergarten eine andere Mutter, die erzählte, der Vater eines Mitschülers ihres anderen Kindes sei tödlich verunglückt und nun werde für die Familie gesammelt, weil er offenbar keine RLV hatte. Dies war zum einen eine Bestätigung für Deinen guten Rat und unser Vorhaben“.

Das Risiko des Todesfalls ist nicht theoretisch. Es ist ganz real. Sportunfälle, Autounfälle, Herzinfarkt, Krebsopfer usw., das ist alles real. Das wissen aber leider zunächst nur jene, die trauernd und zurückgelassen den Alltag ohne ihren Lebenspartner bewältigen müssen.

Richtig ist: der Todesfall ist in jungen Jahren nicht sehr wahrscheinlich! Genau das ist aber auch der Grund, weshalb diese Absicherung durch eine Risikolebensversicherung (RLV) relativ preisgünstig sind, z.B. im Vergleich zu einer anderen wichtigen existentiellen Absicherung, der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Die Unterschiede der Beiträge sind jedoch je nach Versicherung sehr groß, so dass man sich unbedingt an einen Makler wenden sollte, der einem eine Beitragsübersicht unterschiedlicher Gesellschaften vorlegen kann. So kostet z.B. einem 1970 geborenen Ingenieur heute die Absicherung der Hinterbliebenen mit einer RLV über gleichbleibend 250.000 Euro bis zum 65. Lebensjahr bei günstigen Gesellschaften um die 50 Euro im Monat, bei den teuersten dagegen 150 Euro.

Ein weiterer Grund, weshalb diese Versicherung nicht beliebt ist, kann man an dem Einwand erkennen, dass man nach Ablauf der Versicherung nichts von den Beiträgen zurückbekommt. Das stimmt, sofern das reine Risiko des Todesfalles abgesichert wird und keinen zusätzlichen Sparbeitrag einbezahlt und wenn die sog. Risikogewinne gleich verrechnet und nicht verzinslich oder in Fonds angelegt werden. Es handelt sich um eine reine Risikoabsicherung auf den Versicherungsfall (Versterben der versicherten Person) und nicht um eine Kapitalanlage.

Der Trost bei der Sache ist: Das was ihnen dieser Form der Absicherung nach Ende der Laufzeit bei einer Risikolebensversicherung nicht ausbezahlt wird, wird ihnen auch zuvor nicht weggenommen.  Sie bleibt dadurch günstiger.  Das so Eingesparte könnten sie selbst anlegen und hätten dann wahrscheinlich sogar mehr davon.

Es ist grundsätzlich besser, wenn sie die Geldanlage von den Risikoabsicherungen trennen, auch wenn das die klassischen Versicherungsvertreter nicht gerne hören. Beides sind zwei völlig verschiedene Angelegenheiten, die nicht unbedingt zusammengehören. Oder käme es Ihnen auch in den Sinn ihre KFZ-Haftpflichtversicherung mit einem Sparvertrag für ein neues Auto zu verbinden?

FAZIT: Die Risikolebensversicherung gehört zu den existentiellen Absicherungsformen. Lebenspartner sollten sich grundsätzlich Gedanken machen über eine Mindestsumme, die dem Hinterbliebenen hilft, den Lebensstandard für sich und ggf. die Kinder zumindest für eine gewisse Übergangszeit aufrechtzuerhalten. Wenn darüber hinaus Verbindlichkeiten z.B. für die Finanzierung eines Eigenheims bestehen, sollte der Hinterbliebene nach Versterben des Lebenspartners diese tilgen können.  Es gibt diverse Gestaltungsmöglichkeiten für die RLV, so dass zum einen Beiträge gespart, zum anderen an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden können. Fragen Sie dazu einen Experten, der ihnen zudem einen Preisvergleich unterschiedlicher Gesellschaften vorlegen kann. Übrigens: Nichtraucher zahlen für eine RLV immer erheblich weniger.

Dr. Guido Kirner, Finanzmakler & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

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Guido Kirner

Dr. Guido Kirner arbeitet seit über 10 Jahren als selbständiger und unabhäniger Finanzmakler mit sämtlichen IHK-Qualifikationen für kirnerfinanz. Er lebt und arbeitet in Polling bei Weilheim im oberbayerischen Pfaffenwinkel, ist promovierter Historiker und Sozialwissenschaftler (Heidelberg, Paris, Berlin) mit BWL Zusatzstudium (Fernuni Hagen). Während und nach seinem Studium arbeitete er u.a. als Mitarbeiter im Bundestag, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), als Dozent und Wissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität und als Redakteur bei der Gazette. Er betätigt sich als Finanzblogger, schreibt Artikel für Fachorgane (z.B. dasinvestment.com) und Zeitungen, bespricht regelmäßig Fachbücher zum Thema Wirtschaft und Finanzen. Er machte sein Abitur am Abitur Kolleg St. Blasien / Schw., wuchs in der Pfalz auf und wurde 1967 in Mannheim geboren.

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