Die drei Ohrfeigen des Axel Weber

Der (noch) amtierende und fachlich unbestritten versierte Präsident der Deutschen Bundesbank Axel Weber hat mit seinem Rücktrittsplan gleich drei symbolische Ohrfeigen verteilt. Die erste gilt der Kanzlerin Merkel, die sich für seine Kandidatur als Nachfolger Trichets als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) eingesetzt hat. Sie steht nun ohne aussichtsreichen Bewerber da.

Die zweite Ohrfeige gilt der EZB-Politik, insbesondere dem Aufkauf von Anleihen finanzschwacher Euro-Staaten, gegen die sich Axel Weber öffentlich geäußert hat. Freunde hat er sich unter den Notenbank-Gouverneuren damit bestimmt nicht gemacht. Deshalb stellt sich die Frage, ob er als EZB-Chef mit seinen geldpolitischen Prinzipien nicht isoliert gewesen wäre, womöglich hätte er durch diesen Afront eh keine großen Chancen mehr auf dieses wichtige Amt als EZB-Chef gehabt.

Die dritte Ohrfeige hat er sich möglicherweise selbst zugefügt. Für wen ist er nun noch nützlich? Höhere Ämter in der Geldpolitik gibt es nicht. Einige munkeln, er solle zusammen mit dem Investmentbanker Anshu Jain künftig die Doppelspitze der Deutschen Bank bilden, wenn Ackermann die Führung abgibt. Jain verdient mit seiner Abteilung das meiste Geld für die Deutsche Bank und hat schon dadurch (die eigentliche) Macht. Soll der Investmentbanker nun mit einem ehemaligen Beamten zusammenarbeiten? Ein gewagtes Experiment wäre das. Schließlich könnte er die Bank als eine Art Außenminister vertreten und die „Beziehungspflege“ zur Politik gestalten. Doch die hat er nun brüskiert, weshalb solltem ihm dann dort die Türen freundlich offenstehen.

Doch was soll dieses Gerede von den Ohrfreigen. Das sind Eitelkeiten um Ämtergeschacher von Leuten, die keine Probleme mit Ihrer Altersversorgung haben. Irgendeinen prestigeträchtigen Job wird Weber schon für sich ausgehandelt haben. Eigentliches Opfer könnte die geldpolitische Stabilitätspolitik der Bundesbank sein, sofern diese in die Europäische Zentralbank Eingang gefunden hat. Wenn diese Tradition zurückgedrängt wird und Weichwährungsländer Einfluss gewinnen, wird wieder ein Stück positiver deutscher Stabilitätskultur für Europa aufgegeben. Das ist nicht zum Besten seiner Währung. Hier hat unsere Kanzlerin bereits genug “verspielt”.

Siehe auch Europasolidarität als Bankensubventionierung> Das Ende einer Währung; Das Ende der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank; Hellas – Euro – Europa, was auf dem Spiel steht
Dr. Guido Kirner

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Guido Kirner

Dr. Guido Kirner arbeitet seit über 10 Jahren als selbständiger und unabhäniger Finanzmakler mit sämtlichen IHK-Qualifikationen für kirnerfinanz. Er lebt und arbeitet in Polling bei Weilheim im oberbayerischen Pfaffenwinkel, ist promovierter Historiker und Sozialwissenschaftler (Heidelberg, Paris, Berlin) mit BWL Zusatzstudium (Fernuni Hagen). Während und nach seinem Studium arbeitete er u.a. als Mitarbeiter im Bundestag, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), als Dozent und Wissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität und als Redakteur bei der Gazette. Er betätigt sich als Finanzblogger, schreibt Artikel für Fachorgane (z.B. dasinvestment.com) und Zeitungen, bespricht regelmäßig Fachbücher zum Thema Wirtschaft und Finanzen. Er machte sein Abitur am Abitur Kolleg St. Blasien / Schw., wuchs in der Pfalz auf und wurde 1967 in Mannheim geboren.

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