Buchtipp: ‘The Big Short’ von Michael Lewis

Michael Lewis erzählt Spekulationsgeschichte so spannend wie ein Krimi. Das mit meisterhaften Personenportraits versehene Buch, berichtet von der wohl größten Wette gegen einen Markt mit obskuren Finanzprodukten, die letztlich zur größten Finanzkrise dieses noch jungen Jahrhundert führten, deren Auswirkungen noch lange nicht ausgestanden sind.

Hauptdarsteller sind einige wenige Investoren, die wohl die wagemutigeste Short-Position gegen den amerikanischen Subprime Hypothenmarkt eingehen. Sie tun dies, indem sie auf das das Platzen der daraus abgleiteten obskuren Finanzderivate CDO (Collateralized Dept Obligation) mittels Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) wetten. Man erhält dabei eine konkrete Vorstellung in diese Finanzprdukte und ihres Handels, ferner in die Hinter- und Abgründe der Investmentbanken, des Rentenmarktes, der Hedgefonds, der Trader usw.

Das Buch erzeugt ein beklemmendes Gefühl aus Kopfschütteln, Abscheu und Staunen über einen Markt, der die Finanzwelt mit Auswirkungen auf die globale Ökonomie in einen tiefen schwarzen Abgrund blicken ließ. Dabei vermeidet das Buch moralinsaure Statements und Analysen, vielmehr erzeugt das Berichtete seine eigene Wirkung. Das Buch ist unbedingt empfehlenswert auch für Menschen, die sich normalerweise nicht mit diesen Themen auseinandersetzen, zumal es wirklich gut und kurzweilig geschreiben ist, ohne deshalb unseriös und reisserisch daherzukommen; ein echtes Leseerlebnis im Genre der Nonfiction.
Dr. Guido Kirner

PS Übrigens tauchen im englischen Original an mehreren Stellen die fucking idiots from Düsseldorf als Antwort auf die Frage auf, wer unverständlicherweise die CDOs begierig gekauft hat.

2 thoughts on “Buchtipp: ‘The Big Short’ von Michael Lewis”

  1. Zwar habe ich erst die Hälfte des Buches gelesen, doch ich kann es schon jetzt all jenen empfehlen, die auch nur ein Fünkchen Interesse daran haben, zu verstehen, wie “die Hochfinanz” funktioniert … oder besser: nicht funktioniert.

    Es ist unfassbar, was sich dort abspielt(e). Der Grad an Unkenntnis des eigenen Geschäfts selbst bei Leuten, die ihre Diplome cum laude an US-Eliteuniversitäten erreichten, ist erschreckend. Kein Automechaniker würde sich mit einem solchen Wissensstand in seinem Fachgebiet auch nur ein Jahr über Wasser halten können. Ein Paradebeispiel für Naivität, Ignoranz, Inkompetenz, Gier und Kaltschnäuzigkeit.

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