Volksverar…… – “Mehr Netto vom Brutto” 2011

Das auf Software für Steuerberater spezialisierte Unternehmen Datev hat es schon vor Zustellung der ersten Gehaltsabrechnungen vorgerechnet: Steueränderungen und höhere Beitragssätze zur Sozialversicherung machen sich bemerkbar. Leider aber nicht so, dass man von mehr Netto vom Brutto sprechen könnte, wofür nun staatstragende Parteien im Wahlkampf geworben hatten.

Vorteilhaft wirkt sich zunächst aus, dass ein größerer Teil der Aufwendungen für die Altersvorsorge (Riester-Rente, Basis-Rente) in der Einkommensteuer entlastend berücksichtigt wird. Die bessere Abzugsfähigkeit der Altersvorsorge beruht jedoch auf der langfristigen Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung, was bedeutet, dass der Staat stärker auf Renten und Pensionen zugreift.

Für die Gehaltsempfänger steigen die Beitragssätze in der Krankenversicherung auf 15,5 % und in der Arbeitslosenversicherung auf 3 %. Modellrechnungen für sämtliche Steuerklassen zeigen maximale Abzüge von bis zu 94 Euro im Jahr. Am stärksten betroffen sind Verheiratete mit der Steuerklasse III und einem Jahresgehalt von 30.000 Euro, wobei es unerheblich ist, ob sie Kinder haben. Ist das soziale Mittelstandspolitik?

Das war doch nicht alles?

Was auf dem Gehaltszettel steht, ist das eine; was montalich dem Fiskus tatsächlich an Steuern, Gebühren und Abgaben vom Bürger gezahlt wird, ist etwas anderes, es ist selbstverständlich mehr. Das Wirtschaftsmagazin die Wirtschaftswoche hat unter dem Titel „Linke Tasche, rechte Tasche“ (10.01.2011, S. 28ff.) einen Artikel über tatsächlich verfügbares Einkommen veröffentlich, bei der für drei Musterfälle die Gesamtbelastung mit direkten und indirekten Abgaben berechnet wurden.

Neben der auf dem Gehaltszettel ausgewiesen Abzüge durch die Einkommensteuer und Sozialversicherungsabgaben wurden dabei – soweit sie für die Betroffenen anfallen – auch spezielle Verbrauchssteuern (Benzin, Zigaretten, Heizöl, Strom), die Mehrwertsteuer auf Konsum, die KFZ-Steuer, Versicherungssteuer sowie kommunale Steuern und Gebühren berücksichtigt (Grundsteuer, Hundesteuer, Wasser, Abwasser, Niederschlagsteuer, Straßenreinigung, Müllabfuhr). Nicht berücksichtigt wurden Zwangsabgaben wie GEZ-Gebühren und Kaminkehrer oder für Zwangsmitgliedschaften (z.B. IHK usw.).

Das Ergebnis zeigt folgendes:

Für eine Familie mit zwei Einkommen (Er 12.000 Euro, Sie 5.000 Euro Bruttogehalt) mit zwei Kindern und Eigenheim in Köln beläuft sich die Gesamtbelastung 2010 auf 56,6 % und 2011 auf 56,8 %.

Ein Alleinverdiener (4.000 Euro) in Dresden mit zwei Kindern hatte 2010 eine Belastungsquote von 46,6 %, dieses Jahr von 46, 6 %.

Am höchsten Trifft die Belastung einen „besserverdienender“ (4.500 Euro) Single, gerechnet für den Wohnort Göttingen. Er hat zahlte über 60 % (2010: 61,0 %, 2011 61,1 %)

Fazit

Trotz politischer Verlautbarungen, trotz Wahlkampfversprechen und trotz vermeintlich guter Absichten: Staat und Sozialkassen langen auch 2011 kräftig zu. „Mehr Netto vom Brutto“ ist eine hohle Phrase geblieben und immer noch arebeiten viele Bürger der Bundesrepublik die Hälfte des Jahres allein für den Staat.

Dr. Guido Kirner, Finnzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

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