Arbeitsweise von Hedgefonds

Hedgefonds sind gefürchtete Anlagegesellschaften, berüchtigt ob ihrer Methoden, geringen Reglementierung und Überwachung. Dabei zählen Sie nicht zu den gräßten Kapitalgesellschaften. Wer bündelt wieviel Anlagegelder? Im Jahr 2008 waren es:

Pensionsfonds: 24.000.000.000.000 Dollar
Investmentfonds: 28.900.000.000.000 Dollar
Versicherungen: 18.000.000.000.000 Dollar
Hedgefonds: 1.500.000.000.000 Dollar

Doch Größe allein ist nicht entscheidend. Hedgefonds investieren nicht nur Geld von Anlegern, sondern auch geliehenes Geld. Durch die Verschuldung erreichen sie (durch den sog. Leverage-Effekt) höhere Renditen. Auch sind Hedgefonds aggressiver und häufiger am Markt tätig. Schließlich entwickelt sie immer wieder neue Methoden, Handelstechniken und können auch bei fallenden Märkten Gewinne verzeichnen. Bei dem erhöhten Risiko sind nicht alle Manager erfolgreich. Zumeist hört man nur von den Berühmtheiten, die mit ihren gewagten Aktionen Milliardengewinne einstreichen.

Gute Einblicke in die Arbeitsweisen gibt ein Buch von:
Keith McCullough (mit Rich Blake): Diary of a Fund Manager.
Das Buch wurde in der FAZ am 28.06.2010 S. 10 rezensiert.

Vielleicht ist es einmal interessannt in die Geschäfte und Strategien von Hedgefonds-Managern hineinzulauschen. Immer geht es darum, stattliche Gewinne bei abgesicherten Risiko einzustreichen. Dies passiert über Derivate und Leerverkäufe. In der FAZ- Rezension wird ein Beispiel erwähnt:

So lieh sich eine auf Rohstoffe spezialisierte Hedge-Fonds-Managerin 1993 Gold für 410 Dollar pro Unze zu einem extrem niedrigem Zins von 1 Prozent. Sie verkaufte das Gold in Erwartung eines sinkenden Preises. Mit dem Erlös aus dem Goldverkauf und ein wenig Kredit erwarb sie Anleihen kanadischer Provinzen, die seinerzeit 9-12 Prozent brachten. Die Rechnung sieht blendend aus, so lange der Goldpreis nicht steigt. Dann hätte sie den Goldkredit teuer zurückkaufen müssen. Deshalb kaufte sie noch kleine Minenaktien in Kanada und Australien, die sie für unterbewertet hielt. Die Annahme war: steigen die Goldpreise, ergibt sich daraus zwar ein Verlust bei der Rückzahlung des Goldkredits, jedoch würden dann auch die Kurse der Minenaktien steigen.

Das Geschäft ging auf: Der Goldpreis fiel, folglich konnte sie sich billig mit Gold eindecken und den Kredit mit Gewinn zurückzahlen. Ferner konnte sie von den hohen Zinsen der kanadischen Anleihen profitieren. Darüber hinaus stiegen auch noch die Kurse der Minenaktien trotz fallenden Goldpreises. Drei mal eingesackt und wie wird die Managerin zitiert: “Ich lehnte mich zurück und tat für den Rest des Jahres praktisch nichts mehr:”

Viele Geschäfte gehen allerdings auch schief. Letztlich kommt es darauf an, mehr erfolgreiche als verlustreiche Geschäfte zu machen.

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Guido Kirner

Dr. Guido Kirner arbeitet seit über 10 Jahren als selbständiger und unabhäniger Finanzmakler mit sämtlichen IHK-Qualifikationen für kirnerfinanz. Er lebt und arbeitet in Polling bei Weilheim im oberbayerischen Pfaffenwinkel, ist promovierter Historiker und Sozialwissenschaftler (Heidelberg, Paris, Berlin) mit BWL Zusatzstudium (Fernuni Hagen). Während und nach seinem Studium arbeitete er u.a. als Mitarbeiter im Bundestag, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), als Dozent und Wissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität und als Redakteur bei der Gazette. Er betätigt sich als Finanzblogger, schreibt Artikel für Fachorgane (z.B. dasinvestment.com) und Zeitungen, bespricht regelmäßig Fachbücher zum Thema Wirtschaft und Finanzen. Er machte sein Abitur am Abitur Kolleg St. Blasien / Schw., wuchs in der Pfalz auf und wurde 1967 in Mannheim geboren.

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