Wenn sich der Kleinanleger für die Banken nicht mehr lohnt…

Die Zeitschrift Capital (06/2010, S. 16) berichtet in einem Artikel „Klein, aber nicht mehr fein“ darüber, weshalb sich sog. Kleinanleger für Banken kaum mehr lohnen. So hätten sich laut einer Studie und Umfrage die Beratungszeit und Kosten nach Einführung der Protokollpflicht um 15-30 % erhöht. Deshalb bewirke der gut gemeinte Anlegerschutz genau das Gegenteil.

Da stelle sich die Frage, ob eine Beratung von Kleinanlegern überhaupt noch Sinn ergebe. Zitiert wird auch ein Sparkassenvorstand: man solle sich nichts vormachen, die breite Masse werde keine Beratung zu einzelnen Aktien mehr bekommen. Auch bei Fonds würden größere Teile des Ersparten in weniger Produkte fließen. Zwar sei das für den Kunden nicht gut, aber eben die Folge der Kostenerhöhung. Der Chef der Kreissparkasse Köln wird zitiert, dass kleine Anlagensummen bereits bisher nicht kostendeckend gewesen seien. Insbesondere sei das bei risikoarmen Produkten der Fall, die wenig Provision brächten.

Zu dieser Meldung habe ich drei Fragen und einen Tipp:

  1. Wann und wie oft wurden Kleinanleger in einer Sparkasse umfassend und kompetent zu einer Einzelaktie beraten?
  2. Wie lange dauert die durchschnittliche Beratungszeit für Kleinanleger in einer Bank im Vergleich zur Beratungszeit bankenunabhängiger Vermittler?
  3. Wie hoch ist die Auslastung der Sprechzeit bei den Bankberatern von der Zeit, an der die Bankfiliale überhaupt noch geöffnet hat?

>> Wenn sich eine umfassende und bedarfsgerechte Beratung für mnache Banken bei der weniger betuchten Kundengruppe nicht mehr lohnt, dann ist es evtl. an der Zeit, sich nach Alternativen umzuschauen. Es ist nicht ausgeschlossen, dabei sogar auf eine größere Produktvielfalt sowie längere und flexiblere Sprechzeitenzu zu treffen

Dr. Guido Kirner, Finanzberater und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB