Das Ende einer Währung

Der Name Euro bleibt vorerst der gleiche, doch die Währung ist eine andere geworden. „Der Ausverkauf an den Börsen war kein Angriff von Spekulanten, sondern ein Misstrauensvotum der Anleger gegenüber dem Euro und dem Krisenmanagement der Europäer.“ So ein Artikel auf Spiegel-Online. In der Hilflosigkeit, die historisch einzigartige Maßnahme der Euroländer von letztem Wochenende überhaupt erklären zu können, muss ein Sündenbock als Erklärung dafür herhalten, dass Anleger auf fallende Kurse einer Währung wetten, die alles daran gesetzt hat, Vertrauen durch fortlaufenden Regelbruch zu verspielen.

Mit der sog. Rettungsaktion haben die Euro-Länder beschlossen, einen Schutzwall von 750 Mrd. Euro um ihre Währung zu bauen. Gleichzeitig wurden dadurch auch die letzten währungspolitischen Prinzipien einer stabilen Hartwährung über Bord geworfen. So konnten die Deutschen am letzten Wochenende mit dem (wenngleich angegriffenen) Gefühl einer Hartwährung ins Bett gehen und am nächsten Morgen mit einer Weichwährung aufwachen. Denn in währungspolitischer Hinsicht gilt nichts mehr aus dem Maastrichter Vertragswerk. Viele (insbesondere die Franzosen) mochten die Regelungen eh nicht. Nun bekommen sie ihren Willen, wenngleich in Katastrophenstimmung.

Eine Orientierung an der Stabilität der Deutschen Mark ist damit hinfällig. In einer Kette von politischen Vorschlägen und Maßnahmen – wir haben darüber berichtet – wurden sämtliche Versprechen über Bord geworfen und das Vertrauen verspielt. Dies mündet nun darin, dass die Europäische Zentralbank – bislang so etwas wie die Wächterin der Währungsstabilität – ihre Unabhängigkeit aufgegeben hat und zum Erfüllungsgehilfen politischer Vorgaben geworden ist: künftig soll die EZB europäische Staatsanleihen (auch mit schlechter Qualität) aufkaufen. Zugleich werden damit weitere Schleusen für eine unvergleichliche Geldschwemme geöffnet, was irgendwann zwangsläufig zu einer hohen Inflation führen wird.

Ob die gigantische Maßnahme der Euroländer tatsächlich eine „Rettungsaktion“ darstellt oder nur die Verzögerung einer letztlich unabwendbaren und folglich noch schlimmeren Finanzkrise, wird sich erweisen. Für private Unternehmen gibt es den Tatbestand der schuldhaften Insolvenzverschleppung. Möglicherweise haben unsere höchsten Repräsentanten hierbei für einige Staaten der Europäischen Union daran mitgewirkt. Eines ist jedenfalls sicher: Die Währung ist spätestens seit diesem Wochenende eine andere geworden; so richtig spüren werden wir das aber erst einer nicht allzu fernen Zukunft.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB