Fremdwährungsdarlehen in der Immobilienfinanzierung

Sogenannte Fremdwährungsdarlehen für die Baufinanzierung werden immer noch nachgefragt. Sie wurden einst eifrig beworben und waren (insbesondere im Süddeutschen Raum) ein Erfolg, zumal die Initiatoren aus den südlichen Nachbarländern kamen.

Die wenigsten wissen, dass es sich dabei um eine Erfindung Österreichischer Banken handelt, um im Verhältnis zu den geringen Zinsen in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben zu können. Inzwischen herrscht bei den Kreditnehmern dieser Finanzierungsform eine gewisse Ernüchterung, weil man auch mit den Risiken, zumal dem Währungsrisiko Bekanntschaft gemacht hat. So wurde in Österreich sogar überlegt, die FW-Darlehen ganz zu verbieten, zumindest sehr viel strengeren Regelungen zu unterwerfen.

Wie funktionieren Fremdwährungsdarlehen?

Der Kreditnehmer nimmt hierbei sein Darlehen in einer fremden Währung, zumeist in Schweizer Franken oder japanischen Yen auf. Ausgezahlt wird dieses Darlehen dann in Euro. Alle Zins- und Tilgungsraten werden wieder in der jeweiligen Fremdwährung gezahlt, also z.B. monatlich zum jeweils aktuellen Kurs abgerechnet und dem Darlehensnehmer in Euro auf seinem Konto belastet.

Der Vorteil bei einem Fremdwährungsdarlehen ist ganz einfach: Einmal angenommen die Darlehenszinsen liegen im Fremdwährungsland 1%-3% unter den Zinsen in Deutschland. Steigt der Wert des Euro gegenüber dem Wert der Fremdwährungen, muss der Darlehensnehmer zudem einen geringeren Gegenwert in Euro für das Fremdwährungsdarlehen zurückbezahlen. Entstehen daraus Kursgewinne, kann sich der Kreditnehmer freuen. Das ist allerdings keine Garantie für die Zukunft!

Was so positiv verlaufen kann, kann sich genau in die andere Richtung entwickeln. So stieg zum Beispiel der Wert des Yen zwischen ca. Oktober 1998 bis Oktober 2000 um rund 80%. Im Klartext: wer vorher ein Darlehen über 100.000,- EUR aufgenommen hatte, das im Oktober 2000 fällig war, musste 180.000,- EUR zurückbezahlen. Ganz so extrem sind die Schwankungen beim Schweizer Franken nicht, aber auch hier sind Kursschwankungen von bis zu 5% p.a. durchaus normal.

Nebenkosten und Gebühren

Bei vielen Anbietern von Fremdwährungsdarlehen kommen zu den eigentlichen Darlehenszinsen oft noch Spesen und Gebühren, die es in sich haben. Es gibt Bearbeitungsgebühren von 1%-3% des Kreditbetrages, Kontoführungsgebühren sowie Gebühren für den Umtausch bei Auszahlung der Darlehen in Euro oder umgekehrt den Zinszahlungen. Hinzukommen die erhöhten Kosten für die Eintragung von Grundschulden, denn meistens werden Grundschulden eingetragen, die 10%-30% über dem eigentlichen Kreditbetrag liegen.

Erhöhte Bonitätsanforderungen

Bei der Finanzierung in Franken oder Yen werden meist erhöhte Anforderungen an die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Darlehensnehmers gestellt. Der Kunde muss zumeist über ein Mindestnettoeinkommen verfügen (2.000-2.600 Euro) und braucht Eigenkapital von 30 % usw.

Fazit:

Bei Fremdwährungsdarlehen handelt es sich im Grunde im die Wette auf mindestens gleichbleibende Zinsen und Wechselkurse. Wer dieses Risiko eingehen will (und kann!) hat tatsächlich die Chance, Gewinne zu machen, trägt allerdings auch das Risiko, Schiffbruch zu erleiden. Unter Berücksichtigung aller Gebühren ist es derzeit fast immer günstiger, ein variables Darlehen in Euro aufzunehmen – ohne jedes Fremdwährungsrisiko! An ein FW-Darlehen sollte sich nur heranwagen, wer sonst schon „seine Schäfchen im Trockenen hat“, d.h. anderweitig über lastenfreie Immobilien verfügt, für das Alter vorgesorgt und die Lebensrisiken abgesichert hat.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

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