Goldrausch?

Die Geschäfte der Goldhändler laufen gut. Kleinanleger versetzen ihr Schmuck-, Zahn- und Münzgold und wähnen den hohen Goldpreis als Verkaufsanreiz. Der Verkäufer sollte sich überlegen, bei wem er es veräußern möchte. Angebote – wie das im Fernsehen eifrig beworbene „Briefgold“ verlangen ein Maß an Vertrauensseligkeit, das an Naivität grenzt. Die Anonymität und Bequemlichkeit kostet und man sollte sich nicht wundern, wenn man weit weniger überwiesen bekommt, als bei einem Händler vor Ort.

Wenn man sich nicht mehrere Angebote vor Ort bei Banken, Juwelieren, Zahnärzten oder spezialisierten Händlern – also alle die mit Scheideanstalten (Affinerien) zusammenarbeiten – einholen und unbedingt über das Internet arbeiten möchte, so sollte man wenigstens darauf achten, dass es sich um seriöse Händler handelt, die auch schon eine geraume Zeit auf dem Markt tätig sind. Ein guter Ausweis ist immer, dass der Tageskurs des Goldes ebenso wie die An- und Verkaufspreise der wichtigsten Münzen gelistet sind (vgl. z.B. Pro Aurum).

Aufkäufer scheinen aktuell aus dem Boden zu sprießen. So findet man Hinweisschilder nicht mehr nur in dunklen Bahnhofsecken, sondern an den Gartenzäunen biederer Reihenhäuser gutbürgerlicher Wohnviertel. Da scheint ein guter Nebenverdienst drin zu sein. In diesem Markt tummeln sich inzwischen auch einige, die den neuen gesetzlichen Anforderungen an die Versicherungsberatung nicht mehr gerecht werden. Sie sollten sich einfach überlegen, an wen sie sich wenden, ob sie nun Gold kaufen oder verkaufen möchten. Letztlich handelt es sich auch hier um Expertenwissen.

Ob jetzt der richtige Zeitpunkt für An- oder Verkauf ist, weiß keiner. Einige sagen, der Goldpreis (heute so um die 1.100 USD/oz) kann durchaus noch einmal auf 850 USD pro Unze fallen; wieder andere sehen den Goldpreis bei über 2.000 USD noch dieses Jahr. Eine Beimischung von Gold ist sicherlich immer ein guter Bestandteil der Vermögensplanung. Wie hoch der Anteil sein soll hängt davon ab, wie sie die Zukunft der Weltwirtschaft und Volkswirtschaften sehen. Zu viel Optimismus gibt es nicht gerade viel Anlass. Gold ist eine Flucht- und Krisenwährung, dessen Kurs dann explodiert; richtig ist aber auch: sie werden im schlimmsten Fall den Sack Kartoffeln nicht mit Goldmünzen bezahlen wollen (hierfür wird eher die Anlage in Silbermünzen empfohlen).

Der Preis des Goldes ist eine Wissenschaft für sich: Bestandteil sind Explorations- und Produktionskosten (ca. 470 USD pro Unze). Ferner hängt der Goldpreis von der Nachfrage ab: im Jahr 2008 gingen ca. 58 % an die Schmuckindustrie, nur 10 % an die Industrie und ungefähr 30 % in Investments. Der Goldpreis hängt also nicht direkt von der Wirtschaft ab.

Wichtige Akteure im An- und Verkauf sind die Staatsbanken. Über ihre Goldreserven werden viele Gerüchte verbreitet: sie seien bereits verpfändet und verbrieft, gehörten also real gar nicht mehr dem Bürger; es sei auch gar nicht in unserem Land deponiert, sondern zum großen Teil in den USA. Ferner sei der Goldpreis immer wieder durch Verkaufsgerüchte bewusst gedrückt worden. Manche munkeln sogar schon, dass die USA ein Verlaufsverbot plant (die für Krisenzeiten z.B. Hyperinflation in der Vergangenheit historisch verbürgt sind).

Der Goldpreis kann sicherlich in die eine oder andere Richtung (auch und gerade durch Gerüchte) „manipuliert“ werden. Angesehen davon sollte man noch folgendes berücksichtigen: Gold bringt kein Zins und sein Kurs ist zum größten Teil das Ergebnis unserer Emotionen. Es ist chemisch recht unvergänglich, jedoch nicht sehr hart und deshalb begrenzt alltagstauglich. Dafür ist es knapp, was unserer Phantasie und Gier immer schon Ansporn war. Schließlich sollten Währungsrisiken berücksichtigt werden. Denn das Gold wird in Dollar gehandelt, ist von uns aber letztlich in Euro zu bezahlen.

Eines stimmt immer: It’s nice to have. Also überlegen sie es sich doch noch mal, ob sie es wirklich verkaufen möchten. Kaufen sie vielleicht lieber welches und sei für den guten alten Brauch der Geburts- bzw. Taufmünze für ihr Paten- oder Enkelkind oder in Form von Schmuck für ihre(n) Liebste(n).

Autor: Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
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